instanT:ruth
sagt andern automatisch, was Sie denken.
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InstanT:ruth kopiert in regelmäßigen Zeitintervallen einen Text, an dem Sie gerade arbeiten, in eine E-Mail und sendet ihn an eine Gruppe ausgewählter Kollegen. Auf diese Weise wird Ihr Denk/Schreib-Prozess in Abhängigkeit von der Arbeitszeit kommuniziert, und die Rede von der Zeitlichkeit des Wissens wird schon bald eine konkrete Erfahrung einschließen und nicht bloß ein Zugeständnis an die Sprache der wissenschaftlichen Mode sein.
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Computer-Linguisten, die an automatischen Dolmetsch-Tools arbeiten, stoßen auf eine höchst interessante Schwierigkeit: Durch den extremen Zeitdruck, unter dem ein Dolmetscher arbeitet, wird eine fundamentaler Unterschied zwischen tatsächlichem menschlichen Sprachverstehen und den linguistischen Modellen sprachlicher Verständigung deutlich. Während diese Modelle nämlich davon ausgehen, dass die Erfassung, Interpretation und Verarbeitung eines Satzes sich in einer Art strukturaler Zeitlosigkeit bei vollständigen Informationen vollzieht, arbeitet das menschliche Gehirn eminent Zeit-bezogen durch ständige Hypothesenbildung. Lange ehe der Satz zu Ende gesprochen wurde, sind beim Hörer bereits eine Vielzahl möglicher Fortsetzungen aktualisiert, die im Verlauf des Weitersprechens nur immer enger eingegrenzt werden. Allein durch diesen Zeitvorsprung ist der Dolmetscher in der Lage, beinahe parallel die Übersetzung des gerade Gesagten zu liefern.
Computer-Philosophen, wenn es sie gäbe, würden an einem gewissen Punkt etwas Ähnliches feststellen müssen. Die Auseinandersetzung mit einer der unendlich gehaltvollen Fragen der Philosophie führt durch eine lange Kette hypothetischer Annäherungen. Dabei sind die frühesten Stadien in der Regel sowohl die unbesonnensten (und daher im Nachhinein peinlichsten) als auch die originellsten und interessantesten – weshalb das Endresultat eines Vortrags nicht selten eine bis zur Unkenntlichkeit rationalisierte Version seiner ersten Zwischenresultate ist.
Das Problem für den wissenschaftlichen Autoren ist die Verantwortung, die er übernimmt, wenn er einen Text, sei es auch eine überdeutlich als solche etikettierte ›provisorische‹ Fassung, an andere herausgibt. Der Augenblick des Herausgebens ist im Kommunikationssystem der Wissenschaft mit dem gesamten Rest an Subjektivität (d.h. an Verlassenheit) belastet und daher äußerst heikel. InstanT:ruth befreit von dieser Last, indem es quasi systematisch ›versehentliche‹ E-Mails generiert und über längere Zeit (einstellbar sind 24 Std. bis 12 Monate) eine Art kommunikativer Inkontinenz des Aufschreibsystems etabliert. Ausgewählte Freunde und Kollegen des Autors erfahren so von dessen Genialität ebenso wie von ihrer Aufhebung in den Kompetenzen des Diskurses.
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