Kai van Eikels: Zeitlektüren

Ansätze zu einer Kybernetik der Erzählung

Was heißt Erzählen? Wer erzählt, organisiert auf eine bestimmte Weise Zeit. Er schafft ein fiktionales Universum und richtet es eigens für ein Ereignis ein, und er verwendet die Sprache mit ihren zahlreichen Zeitbezügen für ein solches Ereignen-Lassen. Doch was unterscheidet den erzählenden Umgang mit der Zeit von anderen Verhältnissen, die wir zur Zeit eingehen? Und was verrät uns andererseits das Erzählen über die Zeit, was wir aus anderen Zusammenhängen so nicht kennen?

Zeitlektüren geht diesen Fragen zugleich literaturwissenschaftlich und philosophisch nach. Das Buch führt Analysen erzählpoetischer Texte mit philosophischen Lektüren zusammen, die von Gertrude Stein bis zu Paul Ricœur und von Augustinus bis hin zu Heidegger und Derrida das poetische Potenzial der zeitlichen Differenz ergründen. Das Resultat ist die Skizze einer kybernetischen Lesart, die Erzählen als ein organisatorisches Differenzierungsvermögen, als Technik des Selben versteht. Beispiellektüren von E. A. Poe, Yukio Mishima und Henry James und eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Romanpoetik von Novalis und dem Heinrich von Ofterdingen verdeutlichen und reflektieren dies.

Kai van Eikels: Zeitlektüren. Ansätze zu einer Kybernetik der Erzählung, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 3-8260-2170-3

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