Kai van Eikels: Ultimate Fighting
Das Ultimatum als Instrument politischer Existenzialisierung
Manuskript zu einem Vortrag, gehalten am 29.8.2003 auf der IFK_Akademie »Topographien des Politischen« in St. Wolfgang, Österreich
Abstract
Die Rekonfiguration politischer Zeit im Rahmen des »Binoms von politischem Ultimatum und militärischer Aggression« (Dieterich) bildet eine wichtige Grundlage für die Dramaturgie und Epik des Bösen, die von den USA seit dem 11. September 2001 massiv als weltpolitisches Instrument eingesetzt wird. Sie spielt für die aktuelle Umgestaltung der globalen Ordnung und die Ermächtigung einer »Weltpolizei« eine maßgebliche Rolle.
Historisch zeigt sich zudem, dass das Ultimatum einen kritischen Punkt innerhalb der modernen Neuformulierung des internationalen Rechts seit den Haager Beschlüssen von 1899/1907 markiert. In der Ambivalenz zwischen der Abwesenheit einer Kriegserklärung und der neuen Präsenz des Ultimatums reflektieren sich die politischen Komplikationen einer Kriminalisierung des Krieges. Die »coercive measures«, die von legitimierten oder selbsternannten Vertretern der Weltgemeinschaft angedroht und immer öfter auch ausgeführt werden, sind ein Schlüsselfaktor postsouveräner Macht. Deren Konstitution und Dynamik gilt es vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um nationalstaatliche Souveränität (Agamben) zu verstehen.
Der Vortrag analysiert die Temporalität des Ultimatums im Sinne der paradoxen Strategizität des »Zeit-Gebens« (Derrida). Dabei geht es um die Konstruktion des »Schurken« als Figur eines politischen Subjekts, dessen »Zeit zu Ende ist«, und um die Konventionalisierung des Krieges im Rahmen einer kontrafaktischen Definition von Frieden.
Eine ergänzte und überarbeitete Fassung des Textes ist erschienen in LETTRE Nr. 63 .