Schuluhr und Zeitmaschine
»Wir sind der Zeit nicht ausgeliefert. Irgendwie ist sie auch etwas, woran wir ununterbrochen beteiligt sind, was wir selber erschaffen. Wie ein Kunstwerk.
Wenn wir alle die Zeit aufrechterhalten, dann hat man selbst einen Platz, dann hat es Bedeutung, daß man etwas langsam tut. Dann kann sogar ein verschwindendes Experiment wie dieses dazu dienen, die Zeit zu berühren, so daß sie sich verändert.«
(Peter Hoeg: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels)
Schuluhren sind Zeitmaschinen: Wenn Kinder zur Schule kommen, lernen sie, dass sich unsere Welt über Zeit organisiert. Zeitorganisation wird in Schulen gemacht. Dabei geht es nicht nur um Termine und Pünktlichkeit, sondern auch um den Plan, um Dauer, um den Wert der Zeit, um das ‘richtige’ Alter und darum, die Gegenwart für die Zukunft zu tauschen.
Auch wenn es oft so scheint, sind diese Maximen nicht selbstverständlich. Deshalb hat der Verein PROFUND Kindertheater e.V. gemeinsam mit SchülerInnen und LehrerInnen, WissenschaftlerInnen und Dokumentarfilmern das Performance-Projekt “Schuluhr und Zeitmaschine” entwickelt. Es richtet sich an die Klassenstufen 2 bis 6 und bietet die Möglichkeit, sich noch einmal gemeinsam über die Zeit der Schule zu wundern.
Das Projekt besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil besuchen wir – die ZeitforscherInnen – die Schulklassen, und zwar jede einzelne. Zwei Stunden Schulzeit verwandeln sich in eine Zeitschule. Gemeinsam führen wir wissenschaftliche Versuche durch: Ist die Schulzeit noch da, wenn man alle Uhren versteckt? Kann man mit einem aufgenommenen Klingelton seine eigene Schulzeit machen? Außerdem testen die Kinder die neuesten wissenschaftlichen Erfindungen: zum Beispiel einen Karton, in dem die Schulzeit ausgeschaltet ist, oder eine Box, mit der man Nachrichten in die Zukunft schicken kann.
Die Zeitforschung muss natürlich aufgezeichnet werden: Ein Dokumentarfilmer hält das Geschehen in Bild und Ton fest. Möglich wird dieses aufwändige Verfahren, sobald mindestens zwei Klassen pro Schule an dem Projekt teilnehmen.
Ein paar Wochen später besuchen die Schulklassen dann das FUNDUS-Theater. In dem Stück “Schuluhr und Zeitmaschine” begegnen Ihnen die Zeitforschung auf der Bühne wieder. Sie behaupten, das Theater in eine Zeitmaschine umgebaut zu haben, die sie gemeinsam mit dem Publikum testen wollen. Aber ist das die Wahrheit, oder doch nur eine ausgedachte Geschichte? Hier geht’s um das richtige Timing: Wird die Forscherin das Publikum überzeugen? Das zuvor entstandene Filmmaterial wird in die Inszenierung integriert und zwar jedes Mal aufs Neue – jede Aufführung eine Premiere! Zunächst werden die BesucherInnen nur einzelne, seltsam vertraute Details erkennen. Doch dann finden sie sich plötzlich auf der Bühne wieder: Sie selbst sind daran beteiligt, die Zeit zu machen! Wir alle machen die Zeit, nur denken wir meistens nicht dran. Aber zum Glück ist das Theater ja eine Maschine, in der man merkt, wie man die Zeit macht. Eine Zeitmaschine eben.
Sibylle Peters: Gesamtkonzept, Produktionsleitung, Bühne, Spiel
Bianka Buchen: Bühnenbau und Requisite
FUNDUS-Theater: Infrastruktur, Rat und Tat
Tanja Gwiasda: Licht und Ton, Musik
Hanno Krieg: filmisches Konzept, Kamera, Schnitt
Stephan Münte-Goussar: Spiel, Kamera, Schnitt, Bühnentechnik
Petra Sabisch: begleitende Regie und dramaturgische Beratung
Noreen Schindler: Bühnenbau und Requisite
Das Projekt wurde durch die Hamburger Kulturbehörde gefördert.
Buchungen: PROFUND Kindertheater e.V. 040 250 72 70