Das Zeitgesetz
Das geltende Zeitgesetz der BRD trat am 25.7.1978 in Kraft.
> 3 sec.
Es überträgt an die Physikalisch Technische Bundesanstalt in Braunschweig die Aufgabe, »die gesetzliche Zeit darzustellen«, und zwar gemäß der Definition der Cäsium-Sekunde von 1967. Die Bundesanstalt erfüllt diesen gesetzlichen Auftrag seitdem in erster Linie mit der Cäsium-Uhr CS2, die auch maßgeblich an der Realisierung der Weltzeit beteiligt ist.
> 30 sec.
In seiner heutigen Form ist das Zeitgesetz eine Folge der Quarz-Technik. Mit der Erfindung der Quarzuhr war nämlich die Entdeckung verbunden, dass der Tag im Sinne der Erddrehung keineswegs immer gleich lang ist. Diese Entdeckung setzte allen traditionellen Verfahren, ein vollkommenes Zeitmaß aus der Bewegung der Himmelskörper abzuleiten, ein Ende. Dies hätte gravierende Folgen haben können – schließlich prägt die Differenz zwischen Gleichklang/Exaktheit einerseits und Unregelmäßigkeit/Unzuverlässigkeit andererseits nebst der notorischen Projektion der Differenz auf die Pole Himmel und Erde, Kosmos und Mensch, Natur und Kultur traditionell unsere Vorstellung von Zeit ebenso wie unsere Techniken der Zeitmessung.
Im Wechsel vom Makro- zum Mikrokosmos konnte diese traditionelle Gegenüberstellung jedoch fortgeschrieben werden. So wurde weder die Notwendigkeit noch die Idealität eines identisch reproduzierten Zeitmaßes zur Debatte gestellt, nachdem sich die Vorstellung von einem vollkommenen natürlichen Rhythmus als Irrtum herausgestellt hatte. Stattdessen suchte man auf subatomarer Ebene – und fand etwas, das weiterhin als taktgebende ›natürliche Konstante‹ verstanden werden konnte. Es handelt sich um die »Periodendauer der dem Übergang zwischen zwei Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Nuklids 133 Cs entsprechenden Strahlung«.
Diese ›natürliche Konstante‹ ist das Ergebnis zahlreicher nur im Labor möglicher Verfahren wie etwa der Bestrahlung von Cäsium mit Mikrowellen einer ganz bestimmten qua Rückkopplung gesteuerten Intensität. Entgegen gängiger Auffassungen misst die Physikalisch Technische Bundesanstalt also nicht irgendeine bereits gegebene Form natürlicher Zeit. Vielmehr realisiert sie allererst das, was als Zeit distribuiert und weltweit genutzt wird.
> 3 min.
Weiter zu Darstellung der Zeit