Alternativen

Was wären Alternativen zur gegenwärtigen Darstellung von Zeit?

Ein Entwurf: Die Zeit aus einer Vielzahl repräsentativer Daten täglich errechnen.
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Mit den gegenwärtig verfügbaren Rechenkapazitäten können in die Generation von Zeit ständig Daten verschiedenster Art einfließen, die parallel überall auf der Welt erhoben werden. Die Volksvertretungen hätten dafür relevante Rhythmen, Frequenzen, Takte vorzuschlagen, die dann jeweils lokal registriert und in eine komplexe Formel eingespeist werden (z.B. Zahl der Passanten in öffentlichen Räumen, Börsentransaktionen, Internet-Traffic, Niederschlagsmengen, Geburten- und Sterberaten usw.). Auf der Basis dieser Daten könnte an einem Tag jeweils die Zeit für den folgenden Tag berechnet werden.
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Theorien der Medien und des Sozialen stellen in den letzten zwei Jahrzehnten mehr und mehr darauf ab, dass die Organisation von Handlungen und Ereignissen aller Art sich nicht nur in der Zeit vollzieht, sondern ihrerseits an der Generation von Zeit teilhat. Entsprechend gewinnen diese Organisationsformen (Agenturen) an Bedeutung. Die Generation der gesetzlichen Zeit ist diesbezüglich hochexklusiv: nur wenige (naturwissenschaftliche, gesetzgeberische und militärische) Agenturen finden hier bislang Eingang. Dies folgt keiner objektiven Notwendigkeit, sondern stellt das Resultat einer bestimmten gesellschafts- und kulturpolitischen Entwicklung dar. Stellt man das traditionelle Dogma von der identisch reproduzierten Zeiteinheit zur Disposition, spricht einiges dafür, die einfache kybernetische Rückkopplung, die die gleichbleibende Periode von Cäsium in der Atomuhr kontrolliert, durch eine sehr viel umfassendere Rückkopplung zu ersetzen.

Auf welche Widerstände würde dieser Vorschlag zur Ersetzung der identischen Zeitgeneration stoßen? Und warum? Eine qua gesellschaftlicher Rückkopplung generierte Zeit würde im Gegensatz zur leeren Zeit der bislang etablierten Messung eine volle Zeit (rich time) sein, deren Verlauf eine Vielzahl lebenswichtiger Parameter repräsentiert. So würde zwangsläufig eine vehemente Diskussion darüber einsetzen, welche Parameter für die Weltzeit zu berücksichtigen und welche zu vernachlässigen sind, wodurch u.a. die Abhängigkeit der Zeitmessung von Machtverhältnissen deutlich – und zugleich auch dekonstruierbar werden könnte.
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